Album/Plattenladen

WOOD Silence is here Cover all photos by D.Eifler

Silence is Here (2009)

Sound7 online-Rezension

von Rainer Buck

»Silence Is Here« - Americana aus Saarbrücken Daniel Eifler (Wood) hat seine seine Solo-CD fertiggestellt

Von Rainer Buck 20.05.2009
 
SOUND7.DE stellt einen Americana-Kosmopoliten aus dem wilden Westen der Bundesrepublik vor - »Wood« aus Saarbrücken. 
Eins kann man von Daniel Eiflers erstem Solo-Album gewiss nicht behaupten: Es wurde nicht überstürzt auf den Markt geworfen. Schon Anfang der 90er hat Daniel mit der sich am Britpop orientierenden Band »Walking Down Brenton Road" eine CD aufgenommen, die hatte den Titel »Verve«. Damals spielte er eindde richtig laute Gitarre. Die schwelgerische Britpop-Noisegitarre schimmert auf seinem Solowerk nur noch selten durch. Wie schon der Titel »Silence Is Here« verrät, geht es auf dem neuen Album eher ruhig zu. 
Daniel hat sich für sein als Homerecording-Solo-Projekt gestartetes Unternehmen den Künstlernamen »Wood« zugelegt, und das Holzdesign gehört sozusagen zu seiner »Corperate Identity«. Man tippt erstmal auf einen Typen, der auf »amerikanischen Hinterwäldler« macht, aber wenn man die Liste der »Einfluss« spendenden Künstler auf der MySpace-Seite von »Wood« studiert, sieht man, dass er mindestens ein Americana-Kosmopolit sein muss und auch sein Herz für Edles aus Britannien nicht ganz verloren hat: 
Bruce Cockburn, T-Bone Burnett, Mark Heard, Bob Dylan, Ryan Adams, Lloyd Cole, Lou Reed, Sam Phillips, Jackson Browne, Tom Petty, Robbie Robertson, Johnny Cash, The Wallflowers, Peter Case, Victoria Williams, Maria McKee, Aimee Mann, Calexico, Lambchop, Steve Earl, Daniel Amos, The Coir, Phil Keaggy, Crowded House, Waterboys, TheThe, Talk Talk, The LA's, James, Travis and many more.... 
Es ist keine Zeilenschinderei, dass ich diese Liste hier abschreibe, vielmehr soll es dem Leser Gelegenheit geben, über jeden dieser Namen zu meditieren und an großartige Songs zu denken. Von jemandem, der eine solche erlesene Liste aufstellen kann, darf man wohl erwarten, dass er selber keine ganz schlechten Sachen veröffentlicht. Wood hat mich in dieser Hinsicht auch nicht enttäuscht, und wird auch niemanden enttäuschen, der auf rootsorientierte »Laid-back«- Musik mit Einflüssen aus Folk-Rock, Indie-Pop und Gospel steht. (…)
Die Vielfalt der Stimmungen erschließt sich wahrscheinlich nicht gleich beim ersten Hördurchgang. Zwar macht schon zum Einstieg eine an die Doors erinnernde pulsierende Orgel deutlich, dass Wood kein Alternativ-Country-Purist ist, aber der Gesang - Lou Reed meets Mark Knopfler- ist (…) etwas für die Freunde eines lakonischen Erzählstils. (…).
Auf der CD schafft er es auf jeden Fall, uns dorthin zu entführen, wo der Geist seiner musikalischen Helden weht. Und dieser Versuch gelingt hierzulande beileibe nicht jedem musikalischen Tüftler.

 

 

 

WOOD Glamour and Dirt all photos by D.Eifler

Glamour and Dirt (2010)

Die Wüste lebt

von Jens Böttcher

Gedanken zum neuen Wood-Album „Glamour & Dirt“

vom Fernseh-Autor, Schriftsteller und Musikerkollegen Jens Böttcher

 

Die Wüste lebt, daran zweifeln wir ja alle längst nicht mehr. Aber das Leben in ihr ist nicht wie Anderswo, wo immer dieser geheimnisvolle Ort liegen mag. Es ist nicht geschminkt, nicht überschäumend, nicht vorgetäuscht euphorisch. Vielmehr versteckt es sich tagsüber vor der Hitze der brutal-sengenden Sonne und nachts in der kühlen Dunkelheit, die den schwächeren Arten Schutz vor den erbarmungslosen Übergriffen der Stärkeren vorgaukelt. Natürlich kriegen die einen doch. Hin und wieder. Es ist nicht leicht für den Poeten, in dieser Wüste. Er muss wachsam sein. Beobachten können, auf all das reagieren, was das Leben ihm schickt. Das hier ist definitiv nicht der Ort, an dem die eigene Seele einem vormachen könnte, sie wohnte im Paradies, bloß mit defekter Klimaanlage.

Schon das erste Album von Daniel Eifler aka Wood, Silence is here, klang nach diesem besonderen Platz. Nein, viel weniger aufgrund der Genrebezeichnung, die sich irgendwelche Texaner listigerweise mal für ihre staubige, trockene Musik ausgeheckt haben – viel mehr  wegen der schonungslos offenen Attitüde, die sich durch die Musik von Wood schlängelt wie eine Vipernbande auf verdeckter Friedensmission. Und wie die Musik hat auch die Wüste auf „Glamour & Dirt“ ihren ganz eigenen Duft und ganz eigenen Klang - nicht nur das Offensichtliche ist da zu hören: Country, Alternative, Roots - sie klingt nach Geheimnis. Sie klingt nach innen, ist in Wood und in uns. Er beobachtet sie in sich, vielleicht für uns, lässt uns jedenfalls teilhaben, an dem was er in ihrem Leben entdeckt: Sie ist weit und melancholisch und tief und selbstkritisch und ehrlich, sie lässt Platz zum Träumen und Hoffen und ihre majestätischen Sonnenauf- und Untergänge lassen uns für einen Moment sogar vergessen, dass der Kampf doch immer weitergeht, am Abend oder am Morgen danach. Aber immer wieder, wenigstens für einen heiligen Moment, herrscht Ruhe. Silence is here again.

Dass es Daniel Eifler gelingt, diesem inneren Ort auf seinem Zweitwerk Glamour & Dirt erneut ein Klanggewand zu geben, macht das Album selbst zu einer wohlig-paradoxen Oase. Wood ist weitergegangen, hat auf seiner Pilgerreise mit Bettina Zimmer und Simon Kretschmer zwei Weggefährten aufgegabelt, die ein paar Farbtupfer gesetzt und ihm dabei geholfen haben, seine Reisebilder noch eindringlicher zu vertonen.

Der Abend naht. Gäbe es mehr Gerechtigkeit in der großen Welt der Musik (und überhaupt), würden Songs wie „Soup Soap Salvation“ (ein Tribut an Heilsarmeegründer William Booth), „Foundations“, „Winter in June“ oder „Fall to Rise“ jeden Abend bei wenigstens ein paar Dutzend Radiostationen laufen. Besonders das Letztgenannte ist ein Highlight, allein wegen der famosen Refrainzeilen: We rise to fall/so it seems/ we fall to rise/that´s what it really means. Gefolgt von einem Hallelujah, das unaufdringlich den Christen in Wood verrät - ohne ihn verdächtig zu machen. Es würde nicht zu ihm - dem in seiner Stille so eloquenten Beobachter - passen, den Zeigefinger zu heben. Er ist ja wachsam. Er singt über die Welt, weil er weiß, dass er die Welt ist. Und dass er in dieser Wüste lebt, genau wie wir alle. Dort, wo die Gerechtigkeit nicht wirklich zuhause ist und nicht nur die Radios zu viel Sand im Getriebe haben, sondern ausnahmslos alle Bewohner.

Bleibt nur noch zu klären, warum das mit der Wüste hier von Anfang an so wichtig war. Es ist ganz einfach, ergibt sich aus der bereits am Anfang erwähnten Sehnsucht nach diesem geheimnisvollen Ort, dem Anderswo. Denn auch die schwingt in der Musik von Wood immer mit. Klar und deutlich. Laut und einprägsam. Sie trägt uns mit dem geheimnisvollen, tiefen Klang ihres Windes weiter. Wenn das kein Grund ist, sich schon auf das nächste Album von Wood zu freuen.

 

WOOD haus Cover 2019 all photos by D.Eifler

WOOD [Babylon] (2019)

 

 

 Ein Doppelalbum auf einer CD. Zweisprachig, vielschichtig, spannend!

 

In hochwertiger und plastikfreier 6-seitiger-Karton (Digifile) Verpackung